Bei der Xenophobie handelt es sich um eine Ablehnung gegenüber Personen, die sich durch kulturelle, sprachliche oder soziale Unterschiede vom eigenen Umfeld abheben. Trotz unserer pluralistischer und multikultureller Gesellschaft, ist Xenophobie noch immer präsent und spürbar.
Xenophobie, ein Begriff, der wörtlich aus dem Griechischen übersetzt „Fremdenangst“ bedeutet – Xenos lässt sich mit Fremder oder Gast übersetzen und Phobie bedeutet Angst.

Was ist Xenophobie?
Xenophobie bezeichnet ein ablehnendes oder feindseliges Verhalten gegenüber Menschen, die als fremd oder andersartig wahrgenommen werden. Der Begriff setzt sich aus den griechischen Wörtern „Xenos“ (Fremder, Gast) und „Phobie“ (Angst) zusammen – wörtlich übersetzt bedeutet Xenophobie also „Angst vor dem Fremden“.
Wichtig ist dabei: Es geht nicht um eine durchdachte, rationale Abgrenzung gegenüber anderen Menschen oder Kulturen. Wer xenophob reagiert, wägt nicht sachlich ab, ob eine Person tatsächlich eine Bedrohung darstellt. Stattdessen handelt es sich um eine emotionale Abwehrreaktion – ein Gefühl, das oft automatisch und unbewusst entsteht, bevor überhaupt nachgedacht wird.
Psychologische Wurzeln
Auch psychologisch gesehen hat Xenophobie tiefe Wurzeln. Schon bei Kleinkindern kann man das sogenannte „Fremdeln“ beobachten – eine Reaktion auf Unbekanntes. Im späteren Leben kann diese Angst verstärkt oder sogar ideologisch überhöht werden. Besonders Menschen mit einer starken sozialen Dominanzorientierung, die nach Überlegenheit streben, neigen dazu, Fremdenfeindlichkeit zu entwickeln.
Wie sieht xenophobes Verhalten aus?
- Distanzierung und Ausgrenzung: Betroffene werden sozial ausgeschlossen oder gemieden, weil sie einer anderen Kultur, Religion oder Ethnie zugeschrieben werden .
- Feindseligkeit und Abwertung: Menschen mit fremd zugeschriebener Herkunft werden negativ dargestellt oder abfällig behandelt .
- Diskriminierung: Es kommt zu Benachteiligungen, Beleidigungen oder sogar Gewalthandlungen gegen diese Personen .
- Verallgemeinerung: Einzelne werden stellvertretend für eine gesamte Gruppe negativ bewertet („die Ausländer“, „die Fremden“) .
Woher kommt Xenophobie?
Ein möglicher Ansatz zur Erklärung von Xenophobie liegt in unserer evolutionären Vergangenheit. Früher sicherten sich menschliche Gemeinschaften lebensnotwendige Ressourcen durch die Verteidigung von Territorien. In dieser feindlichen Umwelt entwickelte sich ein Misstrauen gegenüber dem Fremden, das tief in unseren Instinkten verankert ist. Diese Ur-Angst wurde durch den Konkurrenzkampf um Nahrung, Land und Sicherheit verstärkt und prägte menschliches Verhalten über Generationen hinweg. Hier nochmal einen Interview zum Thema vom britischen Ökologen Tom Oliver für die Wiener Zeitung: https://www.wienerzeitung.at/a/liegt-fremdenfeindlichkeit-in-unserer-dna
In extremen Fällen kann Xenophobie krankhaft werden und sich als Angststörung etablieren.
Beispiele von Xenophobie im Alltag
Xenophobie zeigt sich selten nur in extremen oder offen gewalttätigen Formen. Viel häufiger äußert sie sich in kleinen, alltäglichen Situationen, die auf den ersten Blick harmlos wirken, aber ausgrenzend wirken:
- Am Arbeitsplatz: Eine Bewerbung mit ausländisch klingendem Namen wird seltener zum Vorstellungsgespräch eingeladen als eine vergleichbare Bewerbung mit einem einheimischen Namen.
- Auf Wohnungssuche: Vermieterinnen lehnen Interessentinnen ab, sobald ein Akzent am Telefon zu hören ist oder der Name „fremd“ klingt.
- In der Nachbarschaft: Neu zugezogene Familien mit anderer Herkunft werden gemieden, nicht zu Nachbarschaftsfesten eingeladen oder misstrauisch beobachtet.
- Im öffentlichen Raum: Menschen wechseln demonstrativ die Straßenseite oder rücken im Bus weiter weg, wenn sich eine Person mit Kopftuch oder dunklerer Hautfarbe nähert.
- In den sozialen Medien: Pauschale, abwertende Kommentare unter Nachrichten über Migration oder Geflüchtete („die nehmen uns alles weg“).
- In der Sprache: Ständiges Nachfragen „Aber wo kommst du wirklich her?“ gegenüber Menschen, die im selben Land geboren und aufgewachsen sind, signalisiert, dass sie als nicht vollständig zugehörig angesehen werden.
- Im Schulalltag: Kinder mit anderer Muttersprache werden beim Gruppenarbeiten seltener ausgewählt oder wegen ihres Akzents nachgeahmt.
Solche Mikro-Aggressionen wirken einzeln betrachtet oft klein, summieren sich für Betroffene aber zu einem belastenden Muster von Ausgrenzung.
Was ist der Unterschied zwischen Xenophobie und Rassismus?
Xenophobie und Rassismus werden oft in einem Atemzug genannt, doch es gibt Unterschiede. Während Xenophobie auf der Angst vor dem Fremden und Andersartigen basiert, konzentriert sich Rassismus auf die Diskriminierung aufgrund biologischer Merkmale. Menschen werden hier nach äußerlichen Merkmalen wie Hautfarbe oder Herkunft in „Rassen“ eingeteilt – ein wissenschaftlich widerlegtes Konzept, das dennoch bis heute genutzt wird, um bestimmte Gruppen zu unterdrücken.
Beide Phänomene haben jedoch eines gemeinsam: Sie beruhen auf Vorurteilen und führen zu Ausgrenzung und Abwertung von Menschen, die als „anders“ wahrgenommen werden. In einer globalisierten Welt, in der kultureller Austausch und Migration zum Alltag gehören, sind Xenophobie und Rassismus große gesellschaftliche Herausforderungen.
Hier können Sie mehr zum Thema Rassismus oder Racial Profiling lesen.
Was kann man gegen Xenophobie machen?
1. Eigene Vorurteile reflektieren Der erste Schritt ist Selbstreflexion: Welche automatischen Annahmen treffe ich über Menschen, die ich als „fremd“ empfinde? Vorurteile sind oft unbewusst und lassen sich nur abbauen, wenn man sie sich bewusst macht.
2. Kontakt und Begegnung suchen Studien zur sogenannten „Kontakthypothese“ zeigen, dass persönlicher, wiederholter Kontakt mit Menschen anderer Herkunft Vorurteile nachweislich reduziert. Gemeinsame Aktivitäten, Nachbarschaftsprojekte oder Vereine bieten dafür einen niedrigschwelligen Rahmen.
3. Im Alltag Haltung zeigen Wenn abwertende Bemerkungen fallen – im Familienkreis, unter Kolleg*innen oder online – hilft es, ruhig, aber klar zu widersprechen, statt zu schweigen. Schweigen wird von Betroffenen häufig als stille Zustimmung wahrgenommen.
4. Sich informieren statt zu verallgemeinern Wissen über andere Kulturen, Religionen und Lebensrealitäten baut Berührungsängste ab. Wer die Hintergründe von Migration, Flucht oder kulturellen Unterschieden versteht, neigt seltener zu pauschalen Urteilen.
5. Institutionelle Strukturen prüfen In Unternehmen und Behörden helfen anonymisierte Bewerbungsverfahren, Diversity-Schulungen und klare Beschwerdewege, um strukturelle Xenophobie – etwa bei Einstellungen oder Wohnungsvergabe – sichtbar zu machen und abzubauen.
6. Betroffene unterstützen Wer Diskriminierung beobachtet, kann Betroffenen aktiv beistehen: nachfragen, ob Unterstützung gewünscht ist, Vorfälle dokumentieren oder auf Beratungsstellen wie Antidiskriminierungsstellen des Bundes und der Länder verweisen.
Die Rolle der Gesellschaft
Je mehr wir über andere Kulturen, Religionen und Lebensweisen wissen, desto weniger neigen wir dazu, Fremdes als Bedrohung zu sehen. Vorurteile können durch Begegnungen abgebaut werden, so wird das Unbekannte zum Bekannten. Das ist im Grunde der Grundstein für ein Zusammenleben, das auf Respekt und Verständnis basiert, anstatt auf Angst und Ablehnung.
Unsere Auffassung ist: In einer Welt, die zunehmend miteinander verflochten ist, ist es an der Zeit, diese alten Ängste abzulegen und auf eine Zukunft zuzugehen, in der Vielfalt als Bereicherung und nicht als Bedrohung gesehen wird.
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