Sexualisierte Gewalt ist ein Thema, über das viele Menschen erst sprechen, wenn sie selbst oder Angehörige betroffen sind. Dabei betrifft sie Menschen jeden Alters und Geschlechts und kommt häufiger vor, als viele vermuten. Sie findet nicht nur im öffentlichen Raum statt, sondern oft auch in Partnerschaften, Familien, Schulen, Vereinen oder im Internet.
In diesem Beitrag erfahren Sie, was sexualisierte Gewalt ist, welche Formen es gibt, woran man sie erkennt und welche Hilfsangebote Betroffenen zur Verfügung stehen.

Was ist sexualisierte Gewalt?
Sexualisierte Gewalt bezeichnet jede sexuelle Handlung oder Annäherung, die gegen den Willen einer Person erfolgt oder bei der eine Person aufgrund ihres Alters, ihrer Abhängigkeit oder ihrer Situation nicht wirksam zustimmen kann.
Dabei geht es nicht in erster Linie um Sexualität, sondern um Macht, Kontrolle und Grenzüberschreitung. Täter nutzen sexuelle Handlungen häufig, um andere Menschen einzuschüchtern, zu erniedrigen oder zu kontrollieren.
Deshalb wird heute häufig der Begriff „sexualisierte Gewalt“ statt „sexuelle Gewalt“ verwendet. Er macht deutlich, dass Sexualität dabei als Mittel eingesetzt wird, um Macht auszuüben und die sexuelle Selbstbestimmung einer anderen Person zu verletzen – nicht, weil es um einvernehmliche Sexualität geht.
Welche Handlungen gehören dazu?
Viele Menschen verbinden sexualisierte Übergriffe ausschließlich mit einer Vergewaltigung. Tatsächlich umfasst der Begriff deutlich mehr.
Formen sexualisierter Gewalt:
- Sexuelle Belästigung
- Unerwünschte Berührungen
- Vergewaltigung
- Sexuelle Nötigung
- Missbrauch von Kindern und Jugendlichen
- Cybergrooming
- Sextortion
- Verbreitung intimer Bilder ohne Einwilligung
- Deepfake-Pornografie
- Sexualisierte Gewalt im Internet
- Sexuelle Ausbeutung
- Erzwungene sexuelle Handlungen innerhalb einer Partnerschaft oder Ehe
Auch verbale Übergriffe, sexualisierte Kommentare oder das ungefragte Zusenden pornografischer Inhalte können Formen sexualisierter Gewalt sein.
Wer ist betroffen?
Sexualisierte Gewalt kann grundsätzlich jeden Menschen treffen – unabhängig von Alter, Geschlecht oder Herkunft.
Sexualisierte Gewalt kann grundsätzlich jeden Menschen treffen – unabhängig von Alter, Geschlecht oder Herkunft. Besonders häufig betroffen sind jedoch Frauen und Mädchen, Kinder und Jugendliche, Menschen mit Behinderungen, LGBTQIA+-Personen sowie Menschen in Abhängigkeitsverhältnissen. Doch auch Männer und Jungen können Opfer werden. Aufgrund gesellschaftlicher Vorurteile, Scham oder der Angst, nicht ernst genommen zu werden, wird darüber jedoch bis heute deutlich seltener gesprochen.
Sexualisierte Gewalt ist kein Tabuthema und keine Privatsache. Sie betrifft unsere gesamte Gesellschaft. Umso wichtiger ist es, über Grenzen, Einwilligung und gegenseitigen Respekt zu sprechen.
Wie kann das im Alltag aussehen?
Sexualisierte Gewalt kann ganz unterschiedlich aussehen.
Beispiele sexualisierter Gewalt sind:
- Eine Person wird gegen ihren Willen geküsst oder angefasst.
- Intime Fotos werden ohne Zustimmung weitergeleitet.
- Jemand wird zu sexuellen Handlungen gedrängt oder gezwungen.
- Ein Erwachsener baut online Vertrauen zu einem Kind auf, um sexuelle Kontakte anzubahnen (Cybergrooming).
- Eine Person erhält wiederholt unerwünschte sexualisierte Nachrichten oder Bilder.
- Künstliche Intelligenz wird genutzt, um täuschend echte Nacktbilder oder Pornovideos einer Person zu erstellen (Deepfakes).
Allen Beispielen gemeinsam ist, dass die sexuelle Selbstbestimmung verletzt wird.
Ein häufiger Irrtum ist zudem, dass sexualisierte Gewalt überwiegend von fremden Personen ausgeht. Tatsächlich kennen viele Betroffene die Täter bereits. Übergriffe finden häufig in Partnerschaften, innerhalb der Familie, in Schulen oder Kitas, Sportvereinen, am Arbeitsplatz, in Pflegeeinrichtungen oder religiösen Einrichtungen statt. Auch das Internet und soziale Medien spielen eine immer größere Rolle. Gerade im digitalen Raum nehmen Formen wie Deepfakes, Sextortion oder Cybergrooming seit einigen Jahren deutlich zu und stellen Betroffene vor neue Herausforderungen.
Insbesondere im Sport wird sexualisierte Gewalt immer deutlicher zum Problem: Mehr Informationen dazu finden Sie hier.
Hilfe bei sexualisierter Gewalt
Sexualisierte Gewalt kann tiefgreifende Folgen haben – sowohl unmittelbar nach dem Erlebten als auch noch viele Jahre später. Betroffene leiden häufig unter Angstzuständen, Schlafstörungen, Depressionen, Schuld- oder Schamgefühlen, Vertrauensproblemen oder einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Auch körperliche Beschwerden und sozialer Rückzug sind keine Seltenheit. Kinder reagieren oft zusätzlich mit Verhaltensänderungen, Konzentrationsproblemen oder Entwicklungsauffälligkeiten.
Wichtig ist: Niemand muss mit diesen Erfahrungen allein bleiben.
Wer von sexualisierter Gewalt betroffen ist, sollte sich möglichst früh Unterstützung suchen. Ein Gespräch mit einer Vertrauensperson, einer Beratungsstelle wie dieser hier oder medizinischem Fachpersonal kann dabei helfen, das Erlebte zu verarbeiten und die nächsten Schritte zu planen. Bei akuter Gefahr sollte umgehend die Polizei (110) verständigt werden. Viele Beratungsstellen bieten ihre Hilfe kostenlos, vertraulich und auf Wunsch auch anonym an.
Sich Hilfe zu holen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein wichtiger Schritt, um Schutz zu erhalten und den eigenen Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben zu finden.
Gemeinsam gegen sexualisierte Gewalt
Sexualisierte Gewalt ist kein Tabuthema und keine Privatsache. Sie betrifft unsere gesamte Gesellschaft. Umso wichtiger ist es, über Grenzen, Einwilligung und gegenseitigen Respekt zu sprechen.
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