Margot Friedländer war eine der bekanntesten Holocaust-Überlebenden Deutschlands und eine der wichtigsten Stimmen der Erinnerungskultur. Sie überlebte die Verfolgung im Nationalsozialismus, verlor ihre Familie und setzte sich später unermüdlich für Menschlichkeit, Respekt und gegen das Vergessen ein.

CC-BY-4.0: © European Union 2022 – Source: EP. (creativecommons.org/licenses/by/4.0/)
Wer war Margot Friedländer?
Margot Friedländer wurde 1921 in Berlin geboren und überlebte als einzige ihrer Familie den Holocaust. Nach dem Krieg lebte sie lange in den USA, kehrte im hohen Alter nach Deutschland zurück und wurde zu einer der prägendsten Zeitzeuginnen der Bundesrepublik.
Kindheit und Jugend: Aufwachsen in einer zerstörten Welt
Margot Friedländer, geboren als Margot Bendheim, wuchs in einer jüdischen Familie in Berlin auf. Ihre Jugend war geprägt von den zunehmenden Einschränkungen und der systematischen Ausgrenzung durch das NS-Regime.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten veränderte sich ihr Leben grundlegend. Rechte wurden entzogen, Perspektiven zerstört, und die Bedrohung wurde immer konkreter. Ihre Familie versuchte, in die USA auszuwandern – jedoch ohne Erfolg.
Ein besonders einschneidendes Ereignis war die Deportation ihres Bruders im Jahr 1943. Ihre Mutter entschied sich, ihn zu begleiten. Beide wurden später in Auschwitz ermordet. Kurz vor ihrem Verschwinden hinterließ ihre Mutter Margot eine Botschaft, die ihr Leben prägen sollte:
„Versuche, dein Leben zu machen.“
Verfolgung und Überleben im Nationalsozialismus
Margot Friedländer musste Zwangsarbeit leisten und lebte schließlich im Untergrund, um der Verhaftung zu entgehen. Diese Zeit war geprägt von ständiger Angst, Unsicherheit und der Abhängigkeit von anderen.
1944 wurde sie entdeckt und in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Dort erlebte sie Hunger, Angst und den Verlust jeglicher Sicherheit. Dennoch überlebte sie – als einziges Mitglied ihrer Familie.
Diese Erfahrung sollte ihr gesamtes weiteres Leben prägen.

Theresienstadt prisoner Bedřich Fritta’s drawing of a funeral
Neubeginn in den USA: Leben nach dem Überleben
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs emigrierte Margot Friedländer 1946 mit ihrem Mann in die USA. In New York baute sie sich ein neues Leben auf.
Lange Zeit wollte sie nicht nach Deutschland zurückkehren. Zu tief saßen die Erinnerungen und der Schmerz. Doch die Vergangenheit blieb präsent. Sie begann, ihre Geschichte aufzuschreiben – nicht nur für sich selbst, sondern auch für kommende Generationen.
Rückkehr nach Deutschland: Entscheidung für Erinnerung
Erst im Jahr 2010, im Alter von 88 Jahren, kehrte Margot Friedländer nach Berlin zurück. Diese Entscheidung war bewusst: Sie wollte dort sprechen, wo die Verbrechen begonnen hatten.
Von diesem Zeitpunkt an wurde sie zu einer der wichtigsten Stimmen der deutschen Erinnerungskultur. Sie besuchte Schulen, sprach mit Jugendlichen und nahm an öffentlichen Veranstaltungen teil.
Ihr Ziel war klar: Erinnern, aufklären und warnen.
„Menschen, egal welcher Hautfarbe, Religion oder Herkunft, als Menschen zu behandeln, das gilt auch ganz besonders heute. Menschlichkeit, Toleranz und Respekt sind wichtiger denn je für ein friedliches Miteinander.“ – Rede zum Internationalen Holocaust-Gedenktag im EU-Parlament am 27. Januar 2022
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Margot Friedländer als Zeitzeugin: Stimme für die, die nicht mehr sprechen können
Margot Friedländer verstand sich selbst als Stimme für die Ermordeten. Sie sagte, sie spreche für diejenigen, die nicht mehr sprechen können.
Ihre Vorträge waren geprägt von Klarheit und Ruhe. Sie erzählte nicht nur Fakten, sondern machte Geschichte greifbar. Besonders wichtig war ihr die Ansprache junger Menschen.
Sie wollte vermitteln, wohin Hass, Ausgrenzung und Entmenschlichung führen können – und warum es wichtig ist, früh dagegen zu handeln.
Was Margot Friedländer verändert hat
Margot Friedländer hat nicht nur erinnert – sie hat aktiv gesellschaftliche Werte geprägt.
Sie hat:
- über Jahrzehnte Aufklärungsarbeit geleistet
- tausende junge Menschen erreicht
- Empathie und Verantwortung gefördert
- Antisemitismus und Diskriminierung klar benannt
- gezeigt, wie wichtig Zivilcourage ist
Ihr Einfluss lag nicht in politischen Ämtern, sondern in ihrer persönlichen Geschichte und ihrer Glaubwürdigkeit.
Ihre zentrale Botschaft: „Seid Menschen“
Der wohl bekannteste Satz von Margot Friedländer ist:
„Seid Menschen.“
Dieser Satz ist einfach, aber tiefgreifend. Er richtet sich gegen Hass, Ausgrenzung und Gleichgültigkeit. Margot Friedländer betonte, dass Menschen sich nicht lieben müssen – aber Respekt füreinander haben sollten.
Diese Botschaft ist heute aktueller denn je.
Mehr über ihr Engagement und ihre Arbeit findet sich bei der Margot-Friedländer-Stiftung:
https://margot-friedlaender-stiftung.de
Engagement und Stiftung: Verantwortung weitergeben
Um ihr Lebenswerk fortzuführen, wurde die Margot-Friedländer-Stiftung gegründet. Sie setzt sich für:
- Demokratie
- Freiheit
- Toleranz
- Menschlichkeit
ein und möchte besonders junge Menschen erreichen.
Ein zentrales Konzept ist dabei die Idee der Zweitzeug:innen – Menschen, die ihre Geschichte weitertragen und Verantwortung übernehmen.
Auszeichnungen und Anerkennung
Für ihr Engagement erhielt Margot Friedländer zahlreiche Ehrungen, darunter:
- das Bundesverdienstkreuz
- die Ehrenbürgerschaft Berlins
- Ehrendoktorwürden
Diese Auszeichnungen würdigen nicht nur ihr persönliches Schicksal, sondern vor allem ihren Einsatz für die Gesellschaft.
Tod und Vermächtnis
Margot Friedländer starb am 9. Mai 2025 im Alter von 103 Jahren. Mit ihr ging eine der wichtigsten Zeitzeuginnen Deutschlands.
Doch ihr Vermächtnis bleibt.
Ihre Worte, ihre Geschichte und ihre Haltung wirken weiter – in Schulen, in der Gesellschaft und in der Erinnerungskultur.
Warum Margot Friedländer heute noch wichtig ist
Margot Friedländer zeigt, dass Geschichte nicht abstrakt ist. Sie besteht aus Menschen, aus Schicksalen, aus Entscheidungen.
Ihr Leben macht deutlich:
- wohin Hass führen kann
- wie wichtig Erinnerung ist
- warum Respekt die Grundlage jeder Gesellschaft ist
Sie hat nicht nur über die Vergangenheit gesprochen, sondern über die Gegenwart und die Zukunft.
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