Was sind Femcels? – einfach erklärt

Der Begriff Femcel taucht immer häufiger in sozialen Medien, Memes und Diskussionen über Dating auf. Dahinter steckt jedoch mehr als ein neuer Internettrend: Es geht um Einsamkeit, Schönheitsideale, fehlende Beziehungen und das Gefühl, romantisch ausgeschlossen zu sein. Gleichzeitig haben sich rund um den Begriff eigene Online-Communitys, Ausdrücke und sogar eine eigene Ästhetik entwickelt.

Doch was sind Femcels eigentlich, was unterscheidet sie von Incels und warum können entsprechende Online-Communitys problematisch werden?

Femcels: Der Unterschied zwischen Incel und Femcel

Was bedeutet Femcel?

Ein Femcel ist eine Frau beziehungsweise eine weiblich identifizierte Person, die sich unfreiwillig von romantischen oder sexuellen Beziehungen ausgeschlossen fühlt. Der Begriff setzt sich aus den englischen Wörtern „female“ (weiblich) und „incel“ („involuntary celibate“, also unfreiwillig enthaltsam) zusammen.

Viele Femcels wünschen sich eine Beziehung, Intimität oder Sexualität, haben jedoch das Gefühl, diese trotz eigener Bemühungen nicht erreichen zu können. Dabei können Zurückweisung, soziale Unsicherheit, Einsamkeit oder ein negatives Selbstbild eine Rolle spielen. Häufig wird insbesondere das eigene Aussehen als Grund dafür gesehen, beim Dating weniger Chancen zu haben.

Wichtig ist: Nicht jede Frau ohne Beziehung oder sexuelle Erfahrungen ist automatisch ein Femcel. Menschen können freiwillig Single, asexuell oder aromantisch sein oder sich schlicht in einer Lebensphase ohne Partnerschaft befinden. Entscheidend für die Femcel-Identität ist das Empfinden, unfreiwillig ausgeschlossen zu sein.

Außerdem ist Femcel keine psychologische oder medizinische Diagnose, sondern eine Bezeichnung aus der Internetkultur.

Woher kommt der Begriff Femcel?

Die Geschichte der Femcels ist eng mit der Incel-Kultur verbunden. Interessanterweise entstand der Begriff „Incel“ ursprünglich nicht in einer männerdominierten Community.

In den 1990er-Jahren gründete eine bisexuelle Frau, die unter dem Namen „Alana“ bekannt wurde, eine Online-Selbsthilfegruppe für Menschen, die Schwierigkeiten hatten, romantische oder sexuelle Beziehungen aufzubauen. Die Community war zunächst für Menschen verschiedener Geschlechter und sexueller Orientierungen gedacht. Eine wissenschaftliche Übersicht zur Incel-Forschung zeichnet diese ursprüngliche Entwicklung und den späteren Wandel der Community ausführlicher nach. Wissenschaftliche Übersicht zur Entstehung der Incel-Kultur

Erst später wurde der Begriff zunehmend von heterosexuellen Männern übernommen. Teile der daraus entstandenen Incel-Szene entwickelten frauenfeindliche und teilweise extremistische Weltbilder.

Parallel entstanden auch Online-Räume für Frauen mit ähnlichen Erfahrungen. Femcel-Communitys fanden sich unter anderem auf Tumblr, Reddit, Twitter beziehungsweise X, Instagram und TikTok. Besonders zwischen 2020 und 2022 wurde der Begriff in sozialen Medien deutlich sichtbarer.

Was zeichnet Femcels aus?

Es gibt keine einheitliche Femcel-Bewegung und auch keine festgelegten Überzeugungen, die jede Person teilen muss. Vielmehr überschneiden sich in den entsprechenden Online-Räumen unterschiedliche persönliche Erfahrungen.

Ein häufiges Thema ist das Gefühl der sozialen oder romantischen Unsichtbarkeit. Manche Betroffene vergleichen sich stark mit anderen Frauen und kommen zu der Überzeugung, aufgrund ihres Körpers, ihres Aussehens oder ihrer Persönlichkeit schlechtere Chancen auf eine Beziehung zu haben.

Gerade soziale Vergleiche rund um Aussehen und Körper können dabei eine Rolle spielen. Die American Psychological Association (APA) weist darauf hin, dass aussehensbezogene Vergleiche in sozialen Medien insbesondere bei Mädchen mit einem negativeren Körperbild und depressiven Symptomen zusammenhängen können.

Weitere Themen innerhalb der Communitys sind Einsamkeit, Angst vor Zurückweisung, Mobbingerfahrungen, Selbstzweifel, negative Dating-Erfahrungen und Kritik an traditionellen Vorstellungen von Weiblichkeit.

Ein Beispiel

Eine junge Frau nutzt regelmäßig Dating-Apps, bekommt jedoch nur wenige Matches und erlebt mehrere Zurückweisungen. Gleichzeitig sieht sie in sozialen Medien ständig vermeintlich perfekte Beziehungen und Frauen, die gängigen Schönheitsidealen entsprechen.

Mit der Zeit entsteht der Gedanke: „Frauen wie ich haben beim Dating sowieso keine Chance.“

In einer Femcel-Community findet sie anschließend andere Menschen, die ähnliche Erfahrungen schildern. Das kann zunächst helfen, sich verstanden und weniger allein zu fühlen. Problematisch wird es jedoch, wenn sich die Mitglieder zunehmend gegenseitig darin bestätigen, grundsätzlich unattraktiv, wertlos oder für immer allein zu sein.

Femcels und Incels: Was ist der Unterschied?

Femcels werden häufig als weibliches Gegenstück zu Incels bezeichnet. Zwar gibt es Gemeinsamkeiten, beide Phänomene einfach gleichzusetzen, wäre jedoch zu kurz gegriffen.

Beide Gruppen können das Gefühl teilen, unfreiwillig von Beziehungen, Sexualität und romantischer Nähe ausgeschlossen zu sein. Auch die Vorstellung, dass Attraktivität stark darüber entscheidet, wer beim Dating erfolgreich ist, kann in beiden Communitys vorkommen.

Ein Unterschied zeigt sich häufig darin, gegen wen sich die daraus entstehende Frustration richtet. In der männlichen Incel-Community werden Frauen oder gesellschaftliche Veränderungen für den eigenen fehlenden Beziehungserfolg verantwortlich gemacht. Viele dieser Räume sind deshalb stark von Misogynie und teilweise Gewaltverherrlichung geprägt.

Bei Femcels richtet sich die Abwertung dagegen häufiger gegen die eigene Person. Betroffene können sich selbst als hässlich, wertlos oder nicht liebenswert beschreiben. Selbsthass, Zynismus und sozialer Rückzug können dadurch zunehmend Teil der eigenen Identität werden. Einen tieferen Einblick in diese Unterschiede und die Femcel-Subkultur gibt auch der Beitrag des SRF über das Phänomen Femcels.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Femcel-Communitys grundsätzlich harmlos sind. Auch dort können Männer pauschal abgewertet oder andere Frauen zu Feindbildern erklärt werden.

Typische Begriffe aus der Femcel-Community

Rund um Femcels hat sich teilweise eine eigene Online-Sprache entwickelt. Einige Begriffe stammen ursprünglich aus anderen Internet- und Incel-Communitys.

Stacy: Damit wird stereotyp eine besonders attraktive und sozial erfolgreiche Frau bezeichnet, der beim Dating viele Möglichkeiten zugeschrieben werden.

Becky: Der Begriff wird teilweise für Frauen verwendet, die als durchschnittlicher wahrgenommen werden, aber dennoch romantische Beziehungen führen können.

Looksmaxxing: Gemeint ist der Versuch, das eigene Aussehen möglichst stark zu optimieren – beispielsweise durch Kleidung, Make-up, Frisur, Sport oder kosmetische Eingriffe.

Softmaxxing: Bezeichnet weniger invasive Veränderungen des eigenen Erscheinungsbildes, beispielsweise eine neue Frisur, Hautpflege oder einen anderen Kleidungsstil.

Solche Kategorien können problematisch sein, weil sie den Eindruck vermitteln, der Wert und Beziehungserfolg eines Menschen ließen sich hauptsächlich anhand seines Aussehens bestimmen.

Was bedeutet „Pink Pill“?

Auch die sogenannte „Pink Pill“ taucht im Zusammenhang mit Femcel-Communitys auf. Der Begriff wird teilweise als weibliche Variante oder Gegenposition zu Begriffen wie Red Pill und Black Pill verwendet.

Mit der Pink Pill können Überzeugungen verbunden sein, nach denen Frauen durch patriarchale Strukturen, Schönheitsnormen und traditionelle Vorstellungen von Beziehungen benachteiligt werden.

Eine feste Definition gibt es allerdings nicht. Je nach Online-Community kann der Ausdruck unterschiedliche Bedeutungen haben und sollte deshalb nicht automatisch mit einer bestimmten Ideologie gleichgesetzt werden.

Was ist Femcelcore?

Aus der Femcel-Kultur ist außerdem eine eigene Internetästhetik entstanden, die häufig als „Femcelcore“ bezeichnet wird.

Typisch sind beispielsweise selbstironische oder depressive Memes, Darstellungen von unordentlichen Zimmern, sozialem Rückzug, emotionaler Erschöpfung oder Frustration über Beziehungen. Auch bestimmte Figuren aus Filmen und Serien, Musikerinnen oder Autorinnen werden mit dieser Ästhetik verbunden.

Für manche Menschen ist Femcelcore schlicht eine kreative Möglichkeit, schwierige Gefühle auszudrücken. Humor und Selbstironie können ein Gemeinschaftsgefühl erzeugen, weil andere Menschen offenbar ähnliche Erfahrungen machen.

Problematisch kann es jedoch werden, wenn Selbsthass, Depressionen oder selbstzerstörerisches Verhalten romantisiert und zu einem festen Bestandteil der eigenen Online-Identität werden.

Sind Femcels männerfeindlich?

Femcel zu sein bedeutet nicht automatisch, Männer zu hassen. Dafür sind die Communitys und die Menschen, die sich mit dem Begriff identifizieren, zu unterschiedlich.

Viele Beiträge beschäftigen sich hauptsächlich mit Einsamkeit, Schönheitsdruck, Selbstzweifeln und schlechten Erfahrungen beim Dating. In manchen Online-Räumen können daraus jedoch pauschale negative Vorstellungen über Männer oder heterosexuelle Beziehungen entstehen.

Auch andere Frauen können abgewertet werden, insbesondere wenn ihnen aufgrund ihres Aussehens vermeintlich bessere Chancen bei Männern zugeschrieben werden.

Es ist deshalb wichtig, zwischen persönlicher Frustration, gesellschaftlicher Kritik und tatsächlicher Abwertung anderer Menschen zu unterscheiden.

Femcels zwischen Einsamkeit und Zugehörigkeit

Das Phänomen Femcel zeigt, wie eng Einsamkeit, Dating, Schönheitsideale und soziale Medien miteinander verbunden sein können. Hinter dem Begriff stehen keine einheitliche Bewegung und kein bestimmter Persönlichkeitstyp, sondern sehr unterschiedliche Erfahrungen.

Gerade deshalb sollten Menschen nicht allein aufgrund des Labels verurteilt werden. Hinter vielen Beiträgen können Zurückweisung, fehlende Zugehörigkeit oder ein geringes Selbstwertgefühl stehen. Gleichzeitig müssen problematische Entwicklungen dort benannt werden, wo Online-Communitys Selbsthass verstärken oder andere Menschen zu Feindbildern machen.

Ein respektvolles Miteinander bedeutet auch, den Wert eines Menschen nicht anhand seines Aussehens, Beziehungsstatus oder seiner sexuellen Erfahrungen zu beurteilen. Genauso wichtig ist es jedoch, persönliche Enttäuschungen nicht zum Anlass zu nehmen, andere Menschen pauschal abzuwerten.elegentlichen Urlaubsfoto in der privaten Familiengruppe bis zum eigenen „Mom-“ oder „Kidfluencer“-Account, über den regelmäßig und teils kommerziell Inhalte über das eigene Kind veröffentlicht werden.